Ein Rollstuhl in smart? Wie Sensoren das Leben verbessern

By Dezember 10, 2020Aktuelles

An der Hochschule Kaiserslautern arbeitet das Team von Prof. Antoni Picard derzeit an einem smarten Rollstuhl zur Anwendung im Kontext von Rehabilitationsmaßnahmen. Wie Sensoren dazu beitragen das Leben von Menschen mit Behinderung zu verbessern, haben wir ihn in einem Interview gefragt.

Der Rollstuhl ist mit Sensoren ausgestattet und verfügt sowohl über eine smarte Rückenlehne, als auch eine smarte Sitzauflage. Ziel ist es, einer Schädigung der Haut und des Gewebe vorzubeugen, die aufgrund langer Druckbelastung auftreten kann. Nutzerinnen und Nutzer von Rollstühlen sollen mithilfe der eingebauten Sensorik im Rollstuhl und der App „SitWatcher“ vor zu langer Inaktivität gewarnt werden. Die Sitzauflage dient außerdem als „Game Controller“, um spezielle Rehabilitations- oder Fitnessspiele (sog. Exergaming) zu steuern.

Fünf Fragen an die Forschung

herzlich digital: Wow, tolles digitales Projekt.

Picard: Ja das stimmt. Unser smarter Rollstuhl ist ein typisches Beispiel dafür, wie Digitalisierung vergleichsweise einfache, aber wirksame Hilfen für verschiedene Lebensbereiche ermöglicht. Er sollte keine super High-Tech-Entwicklung für extreme Ausnahmesituationen schaffen, sondern ganz bewusst mit einer technisch relativ einfachen Lösung demonstrieren, wie wir möglichst viele Menschen durch Digitalisierung unterstützen können.

herzlich digital: Das klingt super und passt prima in die herzlich digitale Stadt Kaiserslautern.

Picard: Genau. An unserer Hochschule arbeiten im BMBF-Projekt ODPfalz die Bereiche Mikrosystemtechnik, Informatik und Biomedizin eng zusammen. In dieser multidisziplinären Zusammenarbeit entstehen fast täglich neue gute Ideen, die zum Ziel haben, durch Digitalisierung eine Verbesserung der Lebensqualität für die Menschen zu erreichen.

herzlich digital: Was wäre ein weiteres Beispiel?

Picard: Wir arbeiten zum Beispiel an einem neuartigen Materialfeuchtesensor, der speziell die Feuchte in Textilien oder unter Verbänden messen kann. Wir prüfen zurzeit auch den Einsatz als einfaches Gerät zur Bestimmung der Hautfeuchte oder auch als komplexes Warnsystem für Dehydrationszustände in Verbindung mit einem Smartphone.

herzlich digital: In welchem Rahmen ist das Projekt smarter Rollstuhl entstanden?

Picard: Das Projekt wird im Rahmen des Innovationsbereichs Gesundheit der Offenen Digitalisierungsallianz Pfalz entwickelt. Die Offene Digitalisierungsallianz Pfalz ist ein Verbundvorhaben der Hochschule Kaiserslautern, der Technischen Universität Kaiserslautern sowie des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik. Das Vorhaben wird im Rahmen der Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“ gefördert.

herzlich digital: Was sind die nächsten Schritte?

Picard: Für die Zukunft haben wir uns vorgenommen, zum einen den Rollstuhl noch smarter zu machen.Wir möchten weitere Sensoren unterbringen und ausgefeiltere Programme zur Nutzung entwickeln. Zum anderen müssen wir aber auch das SitWatcher-Konzept in der Anwendung erproben und nach und nach zu einem fertigungsreifen Produkt ausbauen. Das würden wir natürlich gerne mit einem erfahrenen Partner aus der Gesundheitswirtschaft angehen.

Wir drücken die Daumen und freuen uns über baldige good news. Vielen Dank für das Interview!