#WelttagDesSehens – Ein Lotsensystem für mehr Selbstständigkeit

By Oktober 13, 2021Aktuelles

Heute ist „Tag des Sehens“. Seit dem Jahr 2000 wird der international als „World Sight Day“ bezeichnete Tag begangen, um das öffentliche Bewusstsein für die Themen Blindheit und Sehbehinderung zu stärken. Innerhalb des Modellprojekts Smart Cities, gibt es auch in Kaiserslautern Bemühungen mit Hilfe eines Lotsensystems, die Inklusion von Sehbehinderten und Blinden zu fördern.

Der Welttag des Sehens

Rund 1,1 Milliarden Menschen weltweit haben eine Sehbeeinträchtigung. Davon sind 43 Millionen blind und 295 Millionen stark sehbehindert (Quelle). In Deutschland werden Sehbehinderung und Erblindung nicht erfasst. Man nimmt aber an, dass 1,4% der Bevölkerung in Deutschland sehbehindert ist. Heruntergerechnet auf Kaiserslautern wären dann 940 Menschen sehbehindert und ca. 460 blind.

Der zweite Donnerstag im Oktober soll als „Tag des Sehens“ Betroffene in den Fokus rücken. Gleichzeitig geht es darum, heutige medizinische Möglichkeiten und das Thema Augenpflege zu beleuchten. Wir wollten den Tag zum Anlass nehmen, unser Smart City Projekt „Lotsensystem für Sehbehinderte und Blinde“ näher zu beleuchten. Die Idee: Mit Hilfe digitaler Mittel ein Leitsystem zu entwickeln, das visuell eingeschränkte Menschen sicher durch die Stadt navigiert.

Geplant: Das Lotsensystem für Sehbehinderte und Blinde

Bereits im Jahr 2017 wurde das Projekt „Lotsensystem für Sehbehinderte und Blinde“ mit dem Höchstwert beim Ideen-Workshop im Rahmen des Bitkom-Wettbewerbs bewertet.

Visuell eingeschränkte Menschen sollen mit Hilfe von digitalen Hilfsmitteln durch die Stadt geleitet werden, ohne dabei an statische Routen gebunden zu sein. Heute verfügbare Hilfsmittel (z. B. Gehwegplatten mit Noppen und Streifen) gibt es bereits in Bahnhöfen oder häufig besuchten Flächen. Diese sind allerdings statisch und folgen festen Routen. Die Idee der herzlich digitalen Stadt: Eine Fußgängernavigation, die man als App auf sein Smartphone lädt und einen sicher von Tür zu Tür bringt. Die App berechnet automatisch die beste barrierefreie Strecke. Über eine Sprachausgabe und Vibrationen, werden die Nutzerinnen und Nutzer vor Gefahrenstellen und Hindernissen gewarnt. In einem nächsten Schritt wird soll man auch persönliche Angaben machen können. Beispielsweise wie mobil, technisch affin oder eingeschränkt die Nutzenden der App sind.

Austausch, Pläne, Ziele – Das passiert gerade

Die Projektverantwortliche, Justine Dambacher, steht momentan im engen Austausch mit anderen Städten, die eine Navigation für Sehbehinderte und Blinde planen. Das sind zum Beispiel Soest, Wiesbaden, Darmstadt und Berlin. Hierbei stehen nicht nur Erfolgsgeschichten im Mittelpunkt, sondern auch Erfahrungen, die nicht so positiv verlaufen sind. Ein Manko bei den Vorläufer-Projekten: Zu ungenaue Ortsangaben.

„Für die Berechnung einer Route werden Informationen benötigt wo sich  z.B. die nächste Signalampel oder abgesenkte Bordsteinkanten befindet, aber auch Informationen zu Hindernissen (z.B. abgestellte E-Scooter), zur  Oberflächenbeschaffenheit der Wege,  zum  Stadtmobiliar wie z.B. Sitzbänke, Mülleimer und  die exakte Position von Eingangstüren in und außerhalb von öffentlichen  Gebäuden , Bussen und Zügen. Zum anderen kann die Standortbestimmung über GPS bis zu mehreren Metern falsch sein. In unserem Projekt streben wir eine Ortung mit einer Toleranz im einstelligen Zentimeter Bereich an. Mit dieser bereitgestellten Infrastruktur kriegt der Nutzer exakte Informationen zu seiner Umgebung und zu seiner Position.“

erklärt Justine Dambacher. In enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, wird die App dann mit Umgebungsdaten versorgt, um die Ortung so genau wie möglich zu gestalten. Das Ziel: Die selbstständige Mobilität der Blinden und Sehbehinderten ermöglichen und stärken. Auch die Teilhabe am öffentlichen Leben soll so verbessert werden.

Infobox

Zahlen und Fakten zum Thema Blindheit

  • Zwei Drittel der Betroffenen sind über 65 Jahre alt (Quelle: Zentrum Bayern, Familie & Soziales, 2013)
  • 87% der Menschen erblinden krankheitsbedingt, vorrangig in der dritten Lebenshälfte (Quelle: Woche des Sehens 2020, Sehen und Sehverlust in Deutschland 2020)
  • 90% der betroffenen Personen benötigen auf unbekannten Wegen eine Begleitung (Quelle: Woche des Sehens 2020, Sehen und Sehverlust in Deutschland 2020)

Kennt ihr schon...? Be my eyes

Bei dieser mobilen App können sich Sehbehinderte und Blinde von der Online-Community im Alltag helfen lassen. Passen diese Ohrringe zu meinem Outfit? Ist das Licht momentan angeschaltet? Sind diese Farben stimmig? Auf diese Fragen und mehr erhalten Sehbehinderte und Blinde bei „Be my eyes“ eine Antwort. Möglich macht es ein Live-Videoanruf, bei dem Freiwillige den visuell eingeschränkten Menschen  behilflich sind. Dazu startet die blinde bzw. sehbehinderte Person die Video-Übertragung und wird mit einer zufälligen, als Helfer*in registrierten Person verbunden. Diese spricht dieselbe Sprache und befindet sich in der gleichen Zeitzone. Dann kann die Beratung einfach per Video im Gespräch erfolgen. Die App gibt es momentan für Android und IOS. Mehr Infos findet ihr hier.

Kontakt

Ihr habt Interesse am Projekt oder könnt Expertise beitragen? Dann meldet euch bei Justine Dambacher unter lotse[at]kaiserslautern.de.